Wurzelbehandlung mit Mikroskop

Die Wurzelbehandlung – auch Endodontie genannt – dient dem Erhalt von Zähnen, deren Nerv entzündet oder abgestorben ist.
Früher mussten solche Zähne oft entfernt werden. Heute können sie dank moderner endodontischer Techniken langfristig erhalten bleiben – vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt präzise, vollständig und unter optimaler Sicht.

Warum eine Wurzelbehandlung notwendig sein kann

Im Inneren jedes Zahnes liegt ein weiches Gewebe mit Nerven und Blutgefäßen (der „Zahnnerv“). Dieses Gewebe kann sich entzünden – zum Beispiel durch tiefe Karies, einen Riss im Zahn oder nach einem Unfall.

Mögliche Anzeichen sind Schmerzen (auch beim Kauen), Empfindlichkeit auf Kälte oder Wärme, Schwellung am Zahnfleisch, oder ein „Druckgefühl“ am Zahn.

Ohne Behandlung kann sich die Entzündung weiter ausbreiten. Dann können Bakterien bis in den Kieferknochen gelangen und dort eine Entzündung verursachen. Das kann zu wiederkehrenden Beschwerden, Schwellungen oder einem Abszess führen – manchmal auch, ohne dass der Zahn stark weh tut.

Bei der Wurzelbehandlung entfernen wir das entzündete oder abgestorbene Gewebe aus dem Zahn. Danach werden die Wurzelkanäle sorgfältig gereinigt und desinfiziert. Zum Schluss werden sie dicht verschlossen, damit keine neuen Bakterien eindringen. So kann der Zahn in vielen Fällen erhalten bleiben.

Warum mit Mikroskop?

Bei einer Wurzelbehandlung arbeiten wir in sehr kleinen, engen Kanälen. Manche Zähne haben zusätzliche Kanäle, die man mit freiem Auge oft nicht sieht.
Das Mikroskop ist dabei vor allem eine Sehhilfe: Es vergrößert (bis zu 40-mal!) und beleuchtet den Zahn stark, damit man genauer und sicherer arbeiten kann.
Die mikroskopische Endodontie ist heute der Goldstandard, wenn es darum geht, Zähne dauerhaft zu erhalten.
Sie erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich – besonders bei komplexen oder bereits vorbehandelten Zähnen.

Ein wichtiger Punkt: Was bedeutet genau der Begriff „Wurzelbehandlung mit Mikroskop“?
„Eine Wurzelbehandlung mit Mikroskop“ bedeutet in der Praxis meist mehr als nur die Anwendung eines Mikroskops. Ein Begriff, der für mich besser passt, ist „Privat-Wurzelbehandlung“: Dabei kommen zusätzlich moderne Geräte, Desinfektionsmethoden und hochwertige Materialien zum Einsatz, die bei einer Kassen-Wurzelbehandlung nicht zu finden sind.

Warum ist die Behandlung privat?

Die Krankenkasse übernimmt nur die einfachste Form der Wurzelbehandlung. Der Betrag dafür ist in vielen Fällen so niedrig, dass er oft nicht einmal die Materialkosten ausreichend abdeckt.
Für eine wirklich gründliche Wurzelbehandlung sind hochwertige Materialien erforderlich – zum Beispiel die Anwendung von Kofferdam (Gummituch). Er ist bei einer Wurzelbehandlung wichtig, weil er den Zahn vor Speichel und Bakterien schützt und die Behandlung sicherer macht.
Ein weiterer Punkt ist die Zeit: Viele Patientinnen und Patienten wundern sich, dass eine private Wurzelbehandlung so lange dauert. Tatsächlich ist diese Dauer normal, wenn man sorgfältig und gründlich arbeiten möchte. Im Kassenrahmen ist dafür oft nicht genug Zeit vorgesehen.
Um eine gute Wurzelbehandlung mit Mikroskop durchzuführen, braucht der behandelnde Arzt eine spezielle Ausbildung. Diese Fortbildungen kosten mehrere tausend Euro und müssen vom Arzt selbst bezahlt werden.

Ablauf einer Wurzelbehandlung

  1. Untersuchung und Röntgenbild (am besten ein 3D-DVT-Röntgenbild)
  2. Betäubung, damit die Behandlung schmerzfrei ist
  3. Kariesentfernung und Austausch von Füllungen, wenn notwendig
  4. Zahn mit Kofferdam (Gummituch) abdichten – extrem wichtig
  5. Zugang zum Nervraum schaffen und Wurzelkanäle finden (das Mikroskop hilft hier enorm)
  6. Kanäle mit feinen Instrumenten reinigen und formen
  7. Mehrfach spülen und desinfizieren
  8. Wurzelkanäle dicht füllen
  9. Kontroll-Röntgenbild
  10. Dichter Aufbau des Zahns, später meist eine Krone/einem Onlay zum Schutz des Zahnes

„Aber ich habe eine Krankenkassen-Wurzelbehandlung bekommen und ich habe keine Schmerzen, also es muss alles in Ordnung sein.“

Leider stimmt das nicht immer. Entzündete, wurzelbehandelte Zähne machen am Anfang oft keine Beschwerden. Die Entzündung kann aber langsam größer werden – auch über Jahre. Dann kann es plötzlich zu starken Schmerzen, einer Schwellung oder einer Fistel mit Eiter kommen.
In der Praxis sehen wir leider häufig auf Röntgenbildern entzündete, beschwerdefreie Zähne, bei denen die Wurzelbehandlung im Kassenrahmen durchgeführt wurde. Oft ist die Wurzelfüllung nicht vollständig.

Häufig gestellte Fragen:

Wie viel kostet eine Wurzelbehandlung mit Mikroskop?
Ohne Untersuchung können wir leider keinen genauen Preis nennen. Er hängt von der Anzahl der Kanäle und vom Schwierigkeitsgrad ab. Sie können gerne zu einem unverbindlichen Beratungstermin kommen.
Ist eine Wurzelbehandlung mit Mikroskop sinnvoll?
Ja – eine Wurzelbehandlung mit Mikroskop ist sehr sinnvoll und gilt heute als Qualitätsstandard. Durch starke Vergrößerung und gute Ausleuchtung können feine Kanäle, Risse oder infiziertes Gewebe besser erkannt und gründlicher behandelt werden. Das erhöht die Erfolgschance und macht die Behandlung sicherer und gewebeschonender, weil man gezielter arbeiten und mehr gesunde Zahnsubstanz erhalten kann.

Wann ist es besonders wichtig?
Vor allem bei komplizierten Wurzelverhältnissen, Backenzähnen (viele Kanäle) oder Revisionsbehandlungen (erneute Behandlung eines bereits wurzelgefüllten Zahns).
Wie lange dauert eine Wurzelbehandlung mit Mikroskop?
Meist dauert sie etwa 1–4 Stunden, je nach Schwierigkeitsgrad und Anzahl der Kanäle. Wenn die Behandlung sehr aufwendig ist oder es zu lange dauern würde, kann sie auch auf mehrere Sitzungen aufgeteilt werden.
Zahlt die ÖGK eine Wurzelbehandlung?
Ja, die ÖGK übernimmt eine einfache Wurzelbehandlung. Der Betrag ist jedoch so niedrig, dass er oft nicht einmal die Materialkosten abdecken kann. Daher müssen wir die Behandlung als Privatleistung verrechnen.
Welche Alternativen gibt es zur Wurzelbehandlung?
Alternativen zur Wurzelbehandlung sind je nach Situation: die Zahnentfernung mit anschließendem Ersatz durch Implantat, Brücke oder Prothese, eine Wurzelspitzenresektion (chirurgische Entfernung der Wurzelspitze) oder – bei sehr frühen/kleinen Schäden – Maßnahmen zum Erhalt des „lebenden“ Nervs (z.B. direkte Überkappung oder Pulpotomie). Wenn möglich, ist der Erhalt des eigenen Zahns meist die beste Lösung.
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